Den Stellenausflug meiner Abteilung habe ich dieses Jahr organisiert.
Zuerst sind wir zum Essen gegangen. Im wahrsten Sinne gegangen, denn es war erstmal ein Spaziergang durch Schwabing. Ziel war die
Pizzeria Mario. L´uomo che ha portato la pizza a Monaco (Der Mann der die Pizza nach München brachte).
Dort stärkten wir uns erstmal für den Spaziergang durch München, denn es stand ja noch ein Programmpunkt an.
Die Tatort-Tour durch München.
Tatort bedeutet nicht nur Krimiunterhaltung im TV. Die Münchner Kriminalgeschichte hat viel
Spektakuläres zu bieten – trotz der niedrigen Verbrechensrate in der bayerischen
Landeshauptstadt. Original-Schauplätze in der Münchner Altstadt wurden gezeigt, Methoden zur
Verbrechensbekämpfung geschildert und populäre Verbrechen illustriert: Mord, Raub, Betrug,
Banküberfalle, Attentate– alles hier gewesen. Der erste Banküberfall mit Geiselnahme fand zum Beispiel in München statt und der spektakuläre Fall der Vera Brühne konnte bis heute nicht wirklich aufgeklärt werden.
Am Platzl startete die Tour und dort erfuhren wir erstmal die Grundlagen der Verbrechensbekämpfung und lernten die Geschichte des Fingerabdrucks kennen.
Der erste Kriminalfall handelte von Adele Spitzeder
Die Spitzeder’sche Privatbank
Völlig mittellos versprach sie einem Zimmermann 10 Prozent
Zinsen im Monat für 100 Gulden und zahlte ihm die ersten beiden Monatszinsen sofort aus. Dies sprach sich schnell herum und bald kamen weitere Bürger, die ihr Geld zu diesen Konditionen anlegen wollten. 1869 gründete sie zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Emilie Stier in der Münchner
Dachauer Straße eine Bank. Die Zinsen zahlte sie weiterhin bar aus, was damals nicht üblich war und ihrem Unternehmen einige Mundpropaganda bescherte.
Die „Spitzeder’sche Privatbank“ wurde innerhalb kürzester Zeit vom Geheimtipp aus Insiderkreisen zum Großunternehmen. Spitzeder zog aus einem einfachen Hotel in ein prachtvolles Gebäude in der Schönfeldstraße 9 in München um und hatte bald 40 Angestellte. Ihr Geschäftsgebaren und ihre Buchführung waren nicht nur unkonventionell, sondern regelrecht chaotisch. Das Geld wurde säckeweise in der Wohnung gestapelt und teils im Tresor eines Friseurs verwahrt. Angestellte, alle ohne kaufmännische Ausbildung, bedienten sich regelmäßig an den Geldern und die Finanzbuchführung beschränkte sich auf ein Quittungsbuch, in dem vermerkt wurde, wer wie viel eingezahlt hatte. Eine systematische kaufmännische Verwaltung der von ihr vereinnahmten
Fremdgelder fand nicht statt; das Spitzeder’sche Grundkonzept war ein Schneeballsystem. Mit großzügigen Spenden und manchmal resolutem, manchmal fromm wirkenden Auftreten verschaffte sie sich Vertrauen und den Ruf als Wohltäterin. So eröffnete Spitzeder etwa die Volksküche im Orlandohaus am Platzl.
Aufgrund der meist bäuerlichen Kundschaft aus dem nördlichen Umland Münchens wurde ihre Einrichtung bald „Dachauer Bank“ genannt. Bauern verkauften ihre Höfe, weil sie glaubten, von den Zinsen leben zu können.
Spitzeder konnte dem stärker werdenden Druck der Regierung, der Sparkasse und einzelner Zeitungen, die gegen die „Schwindelbanken“ zu Felde zogen, noch einige Zeit widerstehen. Als die Gegner etwa 60 Gläubiger organisieren konnten, die sich gleichzeitig ihr Geld auszahlen lassen wollten, brach die Bank zusammen. Spitzeder war
nicht solvent und wurde von der Polizei am 12. November 1872 verhaftet.
In knapp zwei Jahren wurden 31.000 Bürger um insgesamt 8 Millionen Gulden geprellt. Nicht wenige davon begingen Suizid. Eine Selbstmordwelle im Dachauer Hinterland war das Ergebnis ihrer
Schwindelbankaktivitäten. Auch ganze Gemeinden waren ruiniert.
Adele Spitzeder wurde vor Gericht gestellt und nach zehnmonatiger Untersuchungshaft zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Als strafmildernd wurden unter anderem die fehlenden behördlichen Auflagen zur Buchführung sowie der Umstand anerkannt, dass Spitzeder nie mit irgendwelchen Sicherheiten geworben hätte. Spitzeder verbüßte ihre Strafe aus gesundheitlichen Gründen nicht im Zuchthaus, sondern in dem Gefängnis in der Badstraße in München, wo sie ihre Memoiren schrieb.
Ein paar Straßen weiter erfuhren wir von einem spektakulären Raub.
Am Pfisterbach stahlen in einer Nacht im Jahr 1906 Münzräuber 130030 Goldmünzen aus der Alten Münze. Ein Hinternabdruck erleichterte später die Identifizierung der Räuber.
Weiter ging es in Richtung Maximilianstraße. Dort wurde uns von einem der bekanntesten Münchner Morden erzählt. Dem Mord an Rudolf Mooshammer.
In der Eillespassage erzählte uns unser Stadtführer von Josef Apfelböck, der 1919 seine Eltern ermordete und drei Wochen mit den stinkenden Leichen in einer Wohnung lebte.
DerFall war so bekannt, dass sogar Berholt Brecht ein Gedicht über ihn verfasste.
In den Fünf Höfen erfuhren wir von der ersten Frau, die eine Bank überfiel. Margit Czenkie.
Weiter ging es zu der Gedenktafel für Kurt Eisner am Palais Montgelas.
Historische Bedeutung erlangte er vor allem als Anführer der
Novemberrevolution von 1918 in Bayern. Eisner war nach dem 1. Weltkrieg der erste Ministerpräsiden, des von ihm ausgerufenen "Freistaates" der bayerischen Republik.
Am 21. Februar 1919 verließ Eisner die Räume des Bayerischen Ministeriums des Äußeren, in denen er letzte Hand an seine Rücktrittsrede gelegt hatte, die er um 10 Uhr im Bayerischen Landtag verlesen wollte. Er wurde von seinem Sekretär begleitet. Der hatte ihm aufgrund der feindseligen Stimmung gegen Eisner und verschiedener in den vergangenen Tagen bekanntgewordener Morddrohungen dringend geraten, den Weg durch den rückwärtigen Eingang des Hotels Bayerischer Hof zu wählen, was dieser mit der Bemerkung ausschlug: „Man kann einem Mordanschlag auf die Dauer nicht ausweichen, und man kann mich ja nur einmal totschießen.“ Auf dem Weg durch die Promenadestraße wurde Eisner von einem Leutnant aus unmittelbarer Nähe mit zwei Schüssen in Rücken und Kopf erschossen. Eisner war sofort tot.
Unsere letzte Station war dann das Münchner Polizeipräsidium in der Ettstraße, Schauplatz berühmter Filmszenen. Hier fuhr zum Beispiel Harry den Wagen vor. Das Schutzgitter in der Einfahrt ist ebenso legendär wie die Sammlung berühmter Tatwaffen, die hier verwahrt werden. Wir erfuhren von dem wohl spektakulärsten
Kriminalfall der Nachkriegsgeschichte: der bis heute nicht aufgeklärte Fall Vera Brühne.
Die Tour war sehr informativ, interessant und unterhaltsam und alle waren begeistert von meinem Programm:)
Quelle: Wikipedia